 |
Willi Pelzner, startbereit mit seinem
Hängegleiter (Aufnahme von 1920). Quelle: „Das Deutsche
Segelflugmuseum Wassserkuppe/Röhn“
|
 |
Bereits als Jugendlicher schon mit Eifer
dabei
|
 |
Heinz Schneider, sein Herz schlägt für die
Fliegerei
|
Der 77jährige, selbständige Klempner Heinz Schneider
aus Wellesweiler baute schon mit 9 Jahren Modelle in vielen Formen.
Als dem 13-jährigen Heinz das Buch von Alexander Lippisch und
Fritz Stamer. – Das Flugzeug des kleinen Mannes, mit Bauplan für einen
Hängegleiter – in die Hände fiel, stand fest jetzt wird ein Flugzeug
gebaut. Beide Konstrukteure waren maßgeblich an der Entwicklung des
legendären Schulgleiters SG-38 beteiligt. Der 50 Reichsmark teure
Hängegleiter wurde gebaut. Das Fluggerät bestand aus Dachlatten,
Siebnessel mit normaler Haushaltsstärke dichtgemacht und Spanndrähten.
Zwei Stangen bildeten den Rumpf und trugen das achteckige Höhenleitwerk.
Die Spannweite betrug ca. 5,50 Meter, Rumpflänge 3 m. Das Fluggewicht lag
bei ca. 80 kg. Der Hängegleiter war als Doppeldecker konstruiert, beim
Start hing der Pilot zwischen beiden Tragflächen. Durch
Gewichtsverlagerung sollte der Gleiter gesteuert werden was nicht immer
gelang. Nach einigen unsanften Landungen des 13-jährigen Heinz, die auch
Kreuzschmerzen verursachten, hatte es sich herumgesprochen, daß auf dem
Heidenhübel Flugversuche unternommen wurden, die nicht erlaubt waren.
Die Polizei beschlagnahmte das Fluggerät und gab es in die
Obhut der älteren Fliegerkameraden aus der neuen Richthofenhalle in
Wellesweiler. Der Hängegleiter wurde am höchsten Punkt des Hallendaches
aufgehängt. Die Mitglieder des Wellesweiler Standortes freuten sich über
den noch sehr jungen Nachwuchs. Der Berufsschullehrer Krämer vom Kohlhof
hatte sich die Konstruktion angesehen und festgestellt, daß Fliegen lernen
auf diese Art zu nichts weiter als unnötigen Unfällen führt. Das Fluggerät
hätte eine Überprüfung durch das Luftfahrtamt in Braunschweig nicht
positiv überstanden. Herr Krämer vermittelte einen Segelfluglehrgang an
der Flugschule Füssen, im Allgäu. Mit fast 14 Jahren nahm er an einem
weiteren Lehrgang auf der Wasserkuppe teil, der mit der B-Prüfung
abgeschlossen wurde. Nun wurde mit den Kameraden aus der Richthofenhalle
in Wellesweiler auf dem Heidenhübel aktiv geflogen. Der erste Gleitflug
gelang in Richtung der Straße Bexbach – Ludwigstal und endete mit einer
Verwarnung durch den Feldschütz.
Auf das Talent aufmerksam geworden
begann für den nun 15jährigen eine lange Reihe von überregionalen
Lehrgängen die auch der vormilitärischen Ausbildung dienten.
|
Heinz
Schneider:
1923 geboren am 26. November
1936 erste Hüpfer m. einem
Hängegleiter 1938 Prüfung für Gleitflugzeuge A u.
B 1939 Segelflugprüfung C 1939 Luftfahrerschein für
Segelflugzeuge der Klasse 1+ 2 Nr-905 in Deutschland Mitglied im
Aero-Club Neunkirchen 1957 Segelfluglehrer, übt seinen
aktiven Dienst bis heute, Dez. 2000
aus. |
1939 jüngster Segelflieger
Deutschlands.
Auf der Wasserkuppe in der Rhön lernte er Oskar
Ursinus und andere Größen der Fliegerei Wolf Hirth, Hanna Reitsch u.a.
kennen. Er erwarb als jüngster Deutscher Segelflieger den Luftfahrerschein
Nr.905. Der Spaß an der Freude erhielt bald einen Dämpfer, Heinz Schneider
wurde Soldat. Er wurde als Pilot für Lastensegler ausgebildet und trug
Verantwortung für 9 Fallschirmjäger. Von Stukas hochgeschleppt, sollten
Landungen im Feindgebiet gemacht werden. Zum Einsatz kam er zum Glück
nicht mehr dafür aber als Infanterist nach Afrika wo er nach kurzer Zeit
in Gefangenschaft kam.
Eine lange Seereise brachte ihn in ein
Gefangenenlager nach Amerika, wo soviel Freiheit gegeben war, daß
sogar Flugmodelle gebaut werden konnten und Wettbewerbe durchgeführt
wurden.
Das Jahr 1948 war der Neubeginn der Segelfliegerei in
St. Arnual. Weitere Stationen waren Flugplatz Ensheim, der Heidenhübel und
die Wellesweiler Wiesen an der Blies. 1950 wurde er Mitglied im Aero-Club
Neunkirchen.
1957 durften erstmals zwei Saarländer an den
Deutschen Segelflugmeisterschaften teilnehmen. Der Aero- Clubs
Neunkirchen schickte Heinz Schneider, der schon mehr als 200
Segelflugstunden hatte, nach Oerlinghausen.
Eine internationale
Sportlizenz machte es möglich, mit dem L-Spatz 55 ohne Kompaß an der
Meisterschaft im Reich teilzunehmen. Der zweite Saarländer war Heinz
Gräser vom Flugsportverein Saarbrücken und startete mit einer Ka-2b. Für
den langjährigen Präsidenten des Aero-Club Saar, Hugo Jordan war die
Teilnahme der Saarländer an dieser Meisterschaft so wichtig, daß er sogar
seine Hochzeitsreise nach Italien unterbrach und in Oerlinghausen seine
Kollegen besuchte. Heinz Schneider legte 1957 die Prüfung als
Segelfluglehrer ab und ist bis heute, mittlerweile 43 Jahre lang, aktiver
Segelfluglehrer. Für seine Verdienste wurde er 1999 mit der goldenen
Ehrennadel des Aero-Club Bexbach ausgezeichnet.